Anna Murphy im Interview: Über Eluveitie und ihre Solo-Karriere

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© Anna Murphy

Mitte letzten Jahres kam es zum Bruch bei der erfolgreichen Schweizer Folk Metal-Band Eluveitie. Anna Murphy (Gesang, Drehleier) und Ivo Henzi (Gitarre) verließen im Mai 2016 solidarisch mit Merlin Sutter (Schlagzeug) die Band.

Doch schon während ihrer Zeit mit Eluveitie arbeitete Anna Murphy an ihrer Solo-Karriere. Ihr erstes Album, Cellar Darling, veröffentlichte die Schweizerin bereits 2013, finanziert wurde die Scheibe mittels einer überaus erfolgreichen Kickstarter-Kampagne. Danach fokusierte sich die Sängerin und Multiinstrumentalistin wieder auf ihre Arbeit mit der Band. Erst 2016 überraschte sie Fans mit einem neuen Song, Mayday.

Ihr persönliches Projekt ist jedoch nicht das einzige, woran das Schweizer Multitalent zur Zeit arbeitet. So unterstützte sie beispielsweise ihren Kollegen Ivo Henzi bei der Produktion der neuen Single seines Solo-Projektes Forest of Fog. Nebenbei gründete Anna Murphy gemeinsam mit Ivo Henzi und Merlin Sutter kurzerhand eine neue Band, Cellar Darling.

Es wird schnell klar, dass Anna Murphy keine Sekunde ungenützt lässt und ergeizig ihren Zielen entgegen arbeitet. 2016 stand sie bereits mit ihrem Solo-Projekt wieder auf der Bühne und veröffentlichte wenig später die ersten Songs mit Cellar Darling. Für 2017 haben wir also hohe Hoffnungen für die Schweizerin. Wir haben Anna Murphy ein paar Fragen über ihr, alles andere als langweiliges, letztes Jahr gestellt.

Das letzte Konzert mit Eluveitie ist nun schon einige Wochen her: Wie ist es dir seit dem ergangen?

Anna Murphy: Das kann ich gar nicht wirklich sagen, es ist ein hin und her. Stabil war ich noch nie wirklich, auch zu Elu-Zeiten nicht, so ein Umschwung wirkt dem natürlich nicht nur positiv entgegen. Aber das ist nicht nur schlecht, Veränderungen sind gut. Ich habe in den letzten Wochen viele Hochs und Tiefs erlebt, alle wichtig, alle auf bestimmte Art und Weise auch spannend. Was ich geniesse ist es vorerst einfach mal Musik zu machen, ohne Grenzen und ohne Regeln.

Du hast eine ziemlich lange Geschichte mit Eluveite: Welche Erinnerungen, Songs oder auch Equipment wirst du auf deinem neuen Weg von Eluveitie mitnehmen?

Anna Murphy: Gar nicht so viel, ich lebe nicht in der Vergangenheit. Ich lebe für das hier und jetzt, Erinnerungen an früher haben darin momentan gar keinen Platz und sind auch nicht besonders wichtig. Was ich immer schätzen werde ist, dass mich Eluveitie enorm weit gebracht hat als Musikerin. Der Wert dieser Band, auch auf einer persönlichen Ebene, wird immer sehr hoch sein für mich. Songs und Equipment: Nein, auch nicht.

Ich lebe für das hier und jetzt.

Unter deinen Videos ist oft zu lesen, dass einige Fans deine Rückkehr zu Eluveitie wünschen. Wie fühlt sich das für dich als Solo-Künstler an, wenn die ehemalige Band immer noch so viel Raum einnimmt?

Anna Murphy: Das überrascht mich nicht und das war mir auch von Anfang an bewusst. Es fühlt sich nicht schlecht an, im Gegenteil. Es zeigt mir ja, dass ich bei Eluveitie eine sehr wichtige Rolle eingenommen habe.

Zum Glück gibt es auch viele Fans die dich und deine Entscheidungen unterstützen. Das Crowdfunding-Projekt zum ersten Solo-Album war überaus erfolgreich. Wie hast du auf dieses direkt positive Feedback reagiert?

Anna Murphy: Genau, das finde ich auch. Ich werde regelmässig überwältigt von so viel Unterstützung und positiver Energie welche mir die Fans geben. Egal ob das jetzt Nachrichten, Kommentare, Gespräche oder Kickstarter betrifft.

Vor einiger Zeit durfte man dich in Sydney auf der Bühne bewundern. Gibt es schon Pläne für weitere Konzerte, jetzt wo die neue Single heraußen ist?

Anna Murphy: Bisher leider noch nicht, aber wir arbeiten daran. Es passiert momentan so viel ich weiss gar nicht so recht auf was ich mich konzentrieren soll.

Dein neustes Lied, Mayday, ist nun seit kurzem auf YouTube, Spotify, etc. Wie hast du dich seit deinem Debut-Album vor drei Jahren musikalisch verändert?

Anna Murphy: Ich glaube ich weiss genau was ich will. Ich habe eine Vision wie ein Song klingen soll und weiss genau wie man das umsetzen kann. Das wusste ich bei Cellar Darling noch nicht so genau, oder zumindest in meinen Augen nicht genau genug. Ich habe viel experimentiert und mich zum Teil nicht mehr auf das Wesentliche konzentriert, sondern darauf was man noch alles mache könnte. Das ist ein spannender Ansatz welchen ich definitiv beibehalten möchte, aber er war damals noch nicht perfektioniert.

Beruht der Text von Mayday auf einem bestimmten persönlichen Erlebnis?

Anna Murphy: Ja und nein. Der Text ist einerseits abstrakt und andererseits glasklar (meiner Meinung nach, ich habe gemerkt die gehen sehr stark auseinander 🙂 ). Ich singe zum Teil in der Ich-Form über eine bestimmte Art Mensch (von denen ich genügend kenne), aber auch über mich selbst. Dass sich gewisse Teile auch gegen mich selbst richten ist den Leuten wohl am wenigsten bewusst, da sie mich ja nicht wirklich kennen. Dass ich eine leicht gespaltene Persönlichkeit habe wollte ich mit dem Song und dem Video etwas untermalen, aber es sollte auch nicht zu offensichtlich sein. Bis jetzt hat es niemand verstanden und das finde ich irgendwie gut, haha.

Deine Musik passt kaum in ein existierendes Genre, darum hast du kurzerhand dein eigenes erfunden – Eclectica. Was macht dieses Genre aus?

Anna Murphy: Dass ich mache was ich will. Akustisch, Elektronisch, Rock/Metal, was auch immer… Musik ist Musik und ein guter Song ist schlicht und einfach ein guter Song. Leute machen sich zum Teil völlig wahnsinnig mit Genres, ich verstehe das nicht.

Leute machen sich zum Teil völlig wahnsinnig mit Genres, ich verstehe das nicht.

Von welchen Genres wird deine Musik beeinflusst?

Anna Murphy: Von allem! Außer Schlager. Und Reggae. Da werde ich dann wahnsinnig 😉

Welche Künstler haben dich persönlich stark beeinflusst?

Anna Murphy: Manes, Kent, Björk, Muse… es gibt so viel. Ich denke das meiste beeinflusst mich unterbewusst. Ich habe mir nie gesagt „das soll jetzt so klingen“. Viel Inspiration kommt bei mir auch von klassischer Musik, damit bin ich aufgewachsen.

Harley Quinn ist einer meiner persönlichen Favoriten von deinem ersten Album, Cellar Darling. Hattest du als großer Comic-Fan schon die Chance, Suicide Squad zu sehen?

Anna Murphy: Cool, das freut mich! Es ist zwar eine Schande, aber nein habe ich nicht. Ich gehe nicht besonders viel ins Kino und bin bezgl. Comic-Sachen auch etwas „old school“ und lese vor allem Comics. Wenn ein neues Batman Comic erscheint bin ich die erste die irgendwo hinrennt um sich das zu besorgen, aber wenn ein neuer Film erscheint gehe ich das ziemlich entspannt an. Aber Suicide Squad ist definitiv auf meiner Liste, ich bin gespannt ob sie die hohen Erwartungen erfüllt haben.

2016 war ja ein ziemlich gutes Jahr für Comic- und Filmliebhaber. Neben Suicide Squad, auf welchen Kinostreifen hast du dich am meisten gefreut?

Anna Murphy: Auf den neuen X-Men Film. Ich liebe X-Men und ich finde tatsächlich einfach jeden Film gut der bisher veröffentlicht wurde.

Zu guter Letzt: Gibt es noch etwas, was du deinen österreichischen Fans sagen willst?

Anna Murphy: Ihr seid super! Danke für euer Interesse und hoffentlich bis bald 🙂

~ Vielen Dank für das nette Interview! ~

Alle Songs von Anna Murphy und Cellar Darling findet ihr auf Spotify und natürlich im iTunes und Google Play Store. Das Interview mit Ivo Henzi zum selben Thema findet ihr hier.