Disharmonic Orchestra – Fear of Angst CD Review

Reingehört

Feine, spannende Streicher werden immer intensiver, bis der erste Riff einsetzt. Und ab dann heißt es Headbangen, Headbangen, Headbangen… und genießen. Kurz und knackig ist das neue Album Fear of Angst von Disharmonic Orchestra – die knapp 40 Minuten haben es deutlich in sich. Mit neun Tracks stellt die Kultband all ihr Können unter Beweis und zeigt, dass sich die 14 Jahre Wartezeit (da kann sich ja sogar noch Tool eine Scheibe abschneiden) deutlich gelohnt haben.

Da sich die Musikbranche seit dem letzten Album auf den Kopf gestellt hat, gingen es die Kärntner modern und digital an, ganz ohne Label, sondern in Eigenregie. Mit einer gelungenen Kickstarter-Kampagne, inklusive leicht selbstironischen Video, schafften es die sympathischen Metaler, die Finanzierung für Fear of Angst in nur einer Woche aufzustellen.

„Disharmonic Orchestra has been creating weird music since 1987.“ – Disharmonic Orchestra über sich selbst auf kickstarter

Das edle Coverart von dem chilenischen Künstler Alvaro Tapia Hidalgo zeigt auch Neulingen, dass bei Disharmonic Orchestra die Kunst im Vordergrund steht. Fear of Angst ist das fünfte Album der Urgesteine der österreichischen Metalband, die mit einigen Unterbrechungen seit 1987 ihr Unwesen treibt und nicht aufhören will, sich zu entwickeln.

Hart und groovig – aber trotzdem mit Liebe gemacht

Es ist schwer, passende Vergleiche zum Stil der Band zu finden. Gojira der Alpen klingt auf den ersten Moment schlüssig, wird aber beiden Bands nicht gerecht. Denn Disharmonic Orchestra schaffen den versierten, aber schwierigen Spagat zwischen groovigen Riffs und progressiver Technik. Es ist ein spannender Crossover Mix aller möglichen Metal-Genres mit einer feinen Prise Funk und experimentalen Elementen. Takt-, und Tempowechsel sind genauso fixer Bestandteil von Fear of Angst wie melodiöse Gitarrenparts und brutaler Härte auf allen Kanälen.

Das neueste Machwerk der Band startet mit einem Song gleichnamig zum Albumtitel und führt hinweg über Songhighlights wie Aura, die treibender nicht sein könnten hinweg über The Venus between us, wo Death Metal und Grindcore sich die Hand geben.

Dabei beweisen Disharmonic Orchestra immer wieder Mut zu spannenden Einlagen wie etwa Samples aus der Natur oder italienischer Filmmusik (zumindest glauben wir, dass es das ist), was das Avantgarde in ihrem Metal ausmacht. Das Album wirkt wie aus einem Guss und man hört, dass hier sehr viel Disziplin, Leidenschaft und Liebe investiert wurde.

Mit dem abschließenden Track Down to Earth verabschieden sich Disharmonic Orchestra auf Fear of Angst. Nach den letzten Takten röhrt die Gitarre aus und idyllisches Grillenzirpen und Waldgeräusche setzen ein.

Orlando Süss ist Journalist und leidenschaftlicher Schauspieler aus Wien. Früh zeigt sich seine Vorliebe für Rock, als er im Bauch seiner Mama erst bei The Who der Mutter Ruhe schenkt. Mittlerweile sind er und sein Geschmack gezwinkerte 1.84m groß. Von Tool bis Deichkind – Orlando gibt nie wieder Ruhe. Wenn er einmal doch eine Pause braucht wirft er sich mit seinem Makro-Objektiv ins Grüne oder spielt Survival-Horror Games mit seinen Freunden. Man darf ihm auch auf Instagram, Twitter und Facebook nachstellen.