FREIRAUM5 im Interview: Von der Tour mit Seiler und Speer bis zum Bier mit Scooter

Interviews

Den Jungs von FREIRAUM5 haben wir vor kurzem schon ein kleines Spotlight gewidmet, ein paar Tage später traf man sich dann auch in einem gemütlichen Café im 19. Wiener Gemeindebezirk zu einem Interview. Schon beim herzlichen Empfang wird klar, dass den sympathischen Heart Rockern ihr Image gerecht wird: Sie gehen mit Leidenschaft durch’s Leben. Ein Feuer, dass sich auch in ihrer Musik widerspiegelt.

Beim gemeinsamen Grüntee tauschten wir uns zunächst einmal über Computerspiele und Tattoos aus, bis vier der Bandmember eingetroffen waren. Nur der fünfte Freiräumler im Bunde, Bassist Meti, fehlte: „Einer muss ja für die Band Geld verdienen.“, meinte Käse (git) mit einem Augenzwinkern. Um die Zungen zu lockern, wurde von Tee und Kaffee zu Bier gewechselt. Kurz darauf gingen wir mit der ersten Frage auch schon zum etwas ernsteren Teil des Nachmittages über:

FREIRAUM5 – der Name spricht schon ziemlich für sich selbst. Oder gibt es da noch eine versteckte Geschichte dahinter?

Make (voc): Also was die wenigsten wussten ist, dass FREIRAUM5 eigentlich eine zufällige Ansammlung von verschiedenen Buchstaben ist. Ein Anagramm für Freiheit und für Räumlichkeiten.

Der Rest der Band lacht.

Es sind inzwischen auch beinahe zehn Jahre vergangen, seit ihr euch als Band zusammengefunden hat. Wie habt ihr euch persönlich und musikalisch in der Zeit verändert?

Make: Musikalisch haben wir uns sehr weiterentwickelt. Ich glaube auch, dass wir uns alle persönlich weiterentwickelt haben, aber musikalisch hat sich da sehr viel getan. Wir haben angefangen, da wussten wir noch nicht mal was wir eigentlich machen wollen. Aber es war so ein Findungprozess.

Was uns ausmacht ist, dass wir von verschiedenen Richtungen kommen und dass unsere Liebe eigentlich die härtere Musik ist. Daraus hat sich dann halt was total poppiges entwickelt, ein total poppiges erstes Album. Es wurde dann immer an unsere Lebensumstände angepasst  und eigentlich sind die Songs so mit uns mitgewachsen.

Die Songs sind mit uns mitgewachsen.

Euer neustes Album Auf Kurs ist vor etwas über einem Monat erschienen. Wie ist es euch seit dem Release ergangen? Seit ihr bis jetzt zufrieden mit dem Erfolg eurer neuen Platte?

Käse: Bis jetzt haben wir noch nicht sehr viel Zeit gehabt über das ganze nachzudenken, weil wir, seit dem das Album heraußen ist, wirklich nur Gigs gespielt, Interviews gemacht, Videos noch gedreht und vorallem uns auf die kommende Tour vorbereitet haben. Bis jetzt sind wir mit den Responses irrsinnig zufrieden, was da jetzt gekommen ist.

Weil’s auf der einen Seite gut angekommen ist, auf der anderen aber haben wir Inputs bekommen wie “Das gefällt uns überhaupt nicht, weil das einfach nicht mein Stil ist.” oder sowas. Das ist schön, wenn man mal negative Kritik hört.

Make: Also im Grunde finden wir, dass es… (Er wird von einer Bekannten unterbrochen, die zwei begrüßen sich mit Küsschen.)

Axxel: Alles aufschreiben!

Der Rest der Band macht Kussgeräusche.

Make: Um auf den Namen FREIRAUM5 ernsthaft zurückzukommen, der Freiraum war uns sehr wichtig. Wir wollen definitiv nicht in eine Schublade und deswegen ist es auch cool, dass die Leute auf unser Album so gemischt reagieren. Dass sie sagen so “Jo, die Pop-Song, die Metal- oder Rock-Songs finden wir gut”. Weil wir HASSEN diese Schubladisierung.

Es ist Kunst, es ist immer noch Kunst und es kommt so raus, wie’s rauskommt. Ich möchte nicht in Schemen denken, nur dass ich’s verkaufen kann. Ich bin froh, dass es sich verkauft und verkaufen lässt, aber ich denke das passiert, wenn’s dann stimmig ist. Dann passt’s.

Smöre: Es polarisiert nämlich. Und es ist gut, dass es polarisiert. Weil wurscht ob positiv oder negativ, es wird permanent darüber gesprochen. Und das ist eigentlich das Ziel. Weil wenn’s nur irgendwo dahinplätschert, dann geht’s den Bach runter.

Make: Wenn’s dahinplätschert, geht’s den Bach runter… Schön.

Smöre: Ja, da bin ich heute wieder poetisch. Wartet’s nur, bis das Bier aus ist.

Wenn’s dahinplätschert, geht’s den Bach runter.

Auf jedem Album gibt es ein, zwei Lieder, die man einfach mehr mag als den Rest. Das ist bei eigenen Werken bestimmt nicht anders. Welcher Song von “Auf Kurs” gefällt euch persönlich am besten?

Käse: Herr der Gezeiten und Wenn du träumst.

Axxel: Ich hab zwei Lieblingslieder. Das ist einmal Wach auf, weil ich bei dem Song komplett fallen lassen kann und komplett auszucke am Drumset. Und auf der anderen Seite dann Goodbye, weil dieses Lied schon nach den ersten zwei Tackten mir jedes Mal unter die Haut geht und mich zerreißt. Obwohl ich persönlich gar keinen Bezug zu einer Person hab’, die ich vielleicht jetzt verloren habe, aber dieser Text und diese Stimmung von diesem Song, erwischen mich jedes Mal wieder.

Smöre: Bei mir ist es Herr der Gezeiten und auch Goodbye.

Make: Also momentan ist Holen für mich der Hammer, ich find’ das ist echt ein geiles Lied geworden. Und Wenn du träumst. Das taugt mir gerade. Aber das verändert sich eigentlich wöchentlich.

Smöre: Metis Lieblingssong ist übrigens Flammenmeer.

Mit Musikvideos habt ihr bis jetzt ja eher die ruhigeren Lieder ausgestattet. Wie entscheidet ihr, zu welchem Song ihr euch vor die Kamera stellt?

Make: Wir würfeln. Soll der Zufall entscheiden, sollen die Götter entscheiden für uns. Nein, die ersten Videos entstanden, weil wir uns gedacht haben, die Radiosongs zuerst. Aber wir haben die letzte Woche gedreht und jetzt kommen dann die härteren.

Smöre: Im besten Fall so viel verdienen, damit wir jeden Song “vervideofizieren” können. Weil eigentlich alle Songs für sich sehr geil sind und jeder für sich eine andere Geschichte erzählt. Das Album ist unser musikalisches Tagebuch, es ist aus unseren Emotionen entstanden, aus unserem Leben geschrieben, und nichts schöneres gäbe es, als das ganze Album verfilmen zu können.

Das Album ist unser musikalisches Tagebuch.

Passend zu den Liedern gebt ihr euch immer relativ emotional in den Videos, beim Dreh selbst geht es aber selten so ernst zu. Gab es da jemals ein größeres Missgeschick oder andere, lustige Outtakes?

Die Band lacht: Es gibt nur Outtakes.

Make: Es besteht eigentlich aus Outtakes. Nein, ich muss sagen wir sind da eigentlich schon recht professionell mittlerweile. Vor der Kamera.

Smöre: Hinter der Kamera heißt das, oder?

Make: Nein, vor der Kamera (lacht). Da sind wir eigentlich schon sehr am Punkt oder versuchen am Punkt zu sein. Ich hab mir einmal eine Gitarre mitgenommen und wollte in slowmo unbedingt diese Gitarre zerfetzen. Er war nicht so geil, muss ich sagen… Ich meine, es war schon cool, aber ich hab mir das so vorgestellt, dass man dann die Gitarre in tausend Teile zersplittern sieht und alles fliegt dann so langsam… Aber das war dann nicht so spektakulär. Sonst … Es gibt schon vieles, aber das sagen wir jetzt nicht. (zwinkert)

Am 29. April teilt ihr euch mit Seiler und Speer beim großen Wien Open Air eine Bühne. Das Künstlerduo zählt ja momentan zu den erfolgreichsten Musikern Österreichs. Wie fühlt ihr euch dabei, für sie zu eröffnen?

Make: Wir finden das großartig. Ich bewundere immer Menschen die erfolgreich sind mit ihren Sachen, die sich treu bleiben und geblieben sind. Ich glaub, dass die zwei Jungs sich selbst treu geblieben sind und das find’ ich cool. Und ich find’s auch geil dass wir jetzt mit denen dann am 29.4. auf der Kaiserwiese ein geiles Open Air hinlegen können und dann danach auf Tournee sind mit ihnen. Ich bin sehr dankbar dafür.

Danach geht’s auf zur gemeinsamen Tour durch Österreich und Deutschland. Freut ihr euch schon darauf, in vielen verschiedenen Städten zu spielen?

Make: Seit Jahren arbeiten wir dahin, dass wir die Welt bereisen mit unserer Musik. Mit unserer eigenen Musik. Insofern ist das wirklich die geilste Zeit gerade. Es beginnt gerade für uns so ein neuer Weg.

Käse: Es wird der absolute Hammer. Allein das Tourleben, wenn man die ganze Zeit im Tourbus miteinander verbringen. Ich mein, wir sehen uns jetzt sowieso so ziemlich jeden Tag. Und das noch mehr zusammengepfercht sein im Tourbus wird schon… lustig.

Make: Wir sehen uns wirklich fast jeden Tag, seit einem Jahr. Es ist schon irre, weil die geh’n mir schon so am Oasch die Hawara, die halt ich schon überhaupt nicht mehr aus. (lacht)

Der Rest der Band bestellt noch ein Bier.

Make: Siehst du? Jetzt hören sie wieder aktiv weg.

Der Rest der Band: Hm?

Make: Nein, ist in Ordnung. Ihr werdet es lesen.

Das ist wirklich die geilste Zeit gerade.

Wenn ihr euch eine Band, einen Künstler aussuchen könntet – egal ob es sie noch gibt oder nicht – mit wem würdet ihr am liebsten auftreten?

Make: Einfach nur weil sie geil sind?

Käse: Dream Theater. Obwohl’s genau überhaupt nicht passt, aber das wär meine erste Wahl.

Make: Tatsächlich Breaking Benjamin. Oder Seeed.

Smöre: Scooter.

Der Rest der Band: Was, Scooter?

Smöre: Oida, wast wie geil des warat? Mit dem geh‘ ich noch auf ein Bier, wirst du sehen.

Axxel: Ja, ich muss es sagen, auch wenn’s schwul klingt. Aber es ist immer die Band, die mir einfällt als erstes einfällt, weil ich sie so absolut favorisiere. Söhne Mannheims.

Make: Ist eh geil.

Zum Schluss: Habt ihr noch etwas, was ihr den Leuten sagen wollt, die bereits Tickets für’s große Wien Open Air haben?

„Tut uns Leid für die Ticketpreise.“ und „Früh genug kommen!“ ist leise im Hintergrund zu hören.

Make: Nichts, außer viel Spaß. Aber den Leuten die’s noch nicht gekauft haben. Die verpassen was, wenn sie’s nicht machen, weil wir sind wirklich gut (lacht). Und es wird eine geile Show! Wir freuen uns mit Seiler und Speer Gas zu geben. Ich glaube, dass es sich sehr lohnt.

Axxel: Mir tut’s leid, dass die Ticketpreise so hoch gestiegen sind. Aber würden die Leute wieder mehr CDs kaufen, würden die Preise auch wieder sinken. (lacht)

~ Vielen Dank für das interessante Interview! ~

Das Wien Open Air auf der Kaiserwiese am 29. April 2017 ist der Auftakt zur großen Tour mit Seiler und Speer, im Zuge welcher FREIRAUM5 mehr als zehn Konzerte in Österreich und den umliegenden Ländern spielen. Mehr Infos dazu findet ihr auf der offiziellen Webseite oder auf Facebook!

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