Leberzerroze im Interview: Über Börnadette

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Am 10. September feiert das Triebwerk Wiener Neustadt mit dem Schlachthof Open-Air seinen zwanzigsten Geburtstag. Zehn heimische Bands werden der Partymeute kräftig einheizen und das Backsteingebäude zum Beben bringen. Teil des Line-Ups ist die Wiener Neustädter Punkband Leberzerroze. Wir haben die sympathischen Punks in ihrem Bandraum getroffen und mit ihnen über Börnadette gesprochen.

Der Song Börnadette ist ein Relikt aus ihrer Gründungszeit und zugleich Zeugnis, einer sich veränderten Band. Stetiges Tüfteln und Feilen, immer offen für Neues und immens viel Freude an der Musik: Das sind die fünf Punks von Leberzerroze.

Sie wurden bereits als Spaßpunks bezeichnet und auch wenn sie abstreiten, dass es ihnen mit ihrer Musik allein um Spaß geht, kommt dieser eindeutig nicht zu kurz. Bereits beim Betreten der ehemaligen Zahnarztpraxis im Zentrum Wiener Neustadts, die heute als Bandraum dient, wird klar, dass es ein lustiges Interview werden wird. Die fünf Musiker sitzen auf einem Sofa und zwei Sesseln, die aussehen, als hätte sie jemand von einem Mistplatz gestohlen. Vier der Punks haben ein Bier in der Hand, nur Bass nicht, denn der muss heute noch mit dem Auto fahren.

©Marcella Rauscher

Von links nach rechts: Bass, Oikla, Biene, Bärtl und Lacki ©Marcella Rauscher

Börnadette ist das einzige Lied, das aus der Gründungsphase von Leberzerroze noch übrig geblieben ist. Damals bestand die Band nur aus Oikla, der noch nicht Schlagzeug spielen konnte, Biene, die gerade Gitarre lernte und Lacki, die so wie heute die Vocals übernimmt. Mittlerweile hat sich alles verändert: Leberzerroze sind zu fünft, die Instrumente werden beherrscht und Börnadette klingt komplett anders – es klingt gut. Das Einzige, das unverändert ist, ist der Songtext.

Das einzige Lied von uns, das eine Aussage hat

„Lacki schreibt echt die besten Texte, wenn sie nur fünf Minuten Zeit hat. So entstehen ziemlich alle unserer Songtexte“, sagt Bärtl und kratzt sich an seinem Bart. Börnadette ist in etwa zehn Minuten entstanden. Auf einem Stück Karton. Lacki und Biene sind mit dem Zug zu einer Demonstration nach Wien gefahren und haben an eine alte Freundin gedacht.

Früher hätte sie sie bestimmt begleitet, heute gehört sie ausgerechnet zu jenem Lager, gegen das demonstriert wird. „Das ist für mich einfach unpackbar, wie sowas geht“, äußert Lacki ihr Entsetzen, probiert sich dann aber doch an einer Erklärung, wie diese Veränderung passieren konnte: „Früher hat man schockieren können, wenn man sich irgendwie punkig anzieht, heute geht das am einfachsten, wenn du dir irgendwo ein Hakenkreuz tätowierst. Ich glaub, der Akt der Rebellion hat sich ein bisschen gedreht“.

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Leberzerroze sehen ein weiteres Problem. Viele junge Leute sind politisch leicht beeinflussbar, sagen sie, weil sie sich einfach nicht ausreichend informieren. Mit Börnadette wollen sie also ein Fallbeispiel aufzeigen, aber nicht nur, wie Lacki erklärt: „Es soll jetzt kein Racheakt an dieser ehemaligen Freundin sein.

Es soll auch einfach Spaß machen, das Lied zu hören. Uns macht es Spaß es zu spielen“. Sie drückt ihre selbst gedrehte Zigarette in einem Aschenbecher aus, der von nackten Frauen geziert wird, und schaut die anderen an um Zustimmung einzuholen. Biene ergänzt: „Und wenn nur einer darüber nachdenkt, worum es in dem Lied geht, dann haben wir sogar was bewirkt“.

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Der Text ist geblieben, der Rest des Liedes hat sich verändert. Zu Beginn war der Song von offenen Akkorden geprägt und dann hat sich Bärtl an neuen Klängen probiert: „Ich hab einfach was auf der Gitarre dahergenudelt und dann hat einer gemeint ‚Hey, das klingt geil, das nehmen wir‘ “. So ist es zu den Ska-Elementen gekommen, die den Anfang des Liedes prägen. „Eine Zeit lang haben wir auch eine komplette Reggae-Version von Börnadette gehabt“, erzählt Bärtl weiter. Das geht auf Bass zurück, der von Off- über On-Beats zu irgendwelchen Pentatoniken gekommen ist und dann mit der Reggae-Bass-Line dahergekommen ist.

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Bei ihren ersten Konzerten, war das Lied noch immer nicht so, wie es heute ist. Im Wr. Neustädter SUB hat Bass sogar mit einem verstimmten Bass gespielt. „Na ganz ehrlich, du hast einfach nur einen Schaß gespielt. Was war das?! Die Tonleiter?“, stichelt Bärtl. Diese Erfahrung war Anlass, Börnadette noch zwei weitere Male zu verändern. „Geh bitte. Im Vergleich zum ersten Mal können wir das Lied jetzt einfach spielen“, meint Biene und Lacki ergänzt lachend: „Stimmt, eigentlich hat es acht Auftritte gedauert bis es endlich gepasst hat“.

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Ist es gut oder schlecht, wenn sich Lieder ständig verändern? „Wenn sie besser werden, ist das auf jeden Fall gut“, sagt Biene und alle lachen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass sie das Lied noch einige Male verändern werden in den nächsten Jahren. „Das Lied verändert sich, zum Beispiel kommt neues bei der Bassline dazu oder das Schlagzeug schlägt minimal anders, aber das Grundding ist immer dasselbe“, erklärt Lacki. Fans der Band müssen also auch in Zukunft keine Angst um ihren Lieblingssong haben.

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