Reingehört: Seiler und Speer – und weida? CD Review

Reingehört

Weiß auf Schwarz zierte das erste Album Ham kummst der Austropopper Seiler und Speer, das 2015 erschien und sofort Platz 1 der Charts erklomm. Schwarz auf Weiß schicken sie nun ihren neuen Gipfelstürmer und weida? in’s Rennen.

Seit 07. April 2017 könnt ihr das neueste Werk der Band, die eigentlich ursprünglich nur etwas musikalische Untermalung für ihre Serie Horvathslos wollte, erstehen. Und wie geht’s jetzt weida? Wir haben uns das aktuelle Studioalbum von Seiler und Speer reingezogen und aufmerksam reingehört.

Von Morsezeichen und Schatzi

Bevor wir musikalisch einsteigen, wollen wir dem Ideencharme und kreativen Humor von Seiler und Speer Beachtung schenken, der sich durch ihr komplettes Konzept als Künstler zieht. Angefangen beim Album-Cover von und weida?, das myteriöse Striche und Punkte trägt. Bei genauerem Grübeln fällt auf, das ist der Bandname des Duos ins Morsezeichen. (Fun Fact am Rande: Das Cover war bereits vor den zwölf Songs der neuen Scheibe fertig.)

Groß vorstellen müssen wir Komiker und Schauspieler Christopher Seiler und Filmemacher Bernhard Speer wohl nicht mehr, deswegen machen wir gleich weiter mit dem, wofür wir eigentlich hier sind, der Musik:

In Mundart-Manier und mit dem scharfen Wortwitz, für die wir die beiden lieben gelernt haben, präsentierten sie bereits mit I Was Made einen Monat vor Release den ersten Track ihres neuesten Werkes. Ein gut gelauntes Fingerwippen am Lenkrad im Auto oder in der Bim, während man den morgendlichen Kaffee umklammert hält, ist dabei unvermeidlich. Also seid gewarnt, es wird noch besser!

Denn trotz ihrem kabarettistischen Rotzlöffel-Esprits fußt auch der Tiefsinn in ihren Texten: In Cabrio wird Materialismus auf’s Korn genommen und in Foin kann man den Überdruß des Alltags heraus hören – aber auch die melancholisch-angenehme Süße der Regelmäßigkeit, was nicht zuletzt der beflügelten Gitarrenbegleitung und dem versierten Saitenspiel zu verdanken ist.

Das zieht sich durch das ganze Album; mal klingt es nach Wehmut und Herzschmerz wie bei i kenn di vo wo oder Weck mi auf – in Harmonie mit der Harmonika wiederum bei All Inclusive die Würze des Polkas mit in’s musikalische Gemisch bringt.

All Inclusive und weida hinaus

Der letzte Song des zweiten Albums von Seiler und Speer erinnert ein wenig an Die Ärzte (nach 2007) in der Austria-Ausgabe: Schatzi erzählt von dem wundervollen Thema Liebe – und wie diese nicht ganz so wundervoll versiegen kann. Von Austropop ist hier kaum noch was zu hören und vor allem beim fein nachschwingenden Outro klingt das sehr viel mehr nach Austrorock.

Alles in allem haben Seiler und Speer hier ein Rundumpaket abgeliefert, das jegliche emotionalen Befindlichkeiten anspricht, untermalt und so herzig und radikal echt wie das Leben selbst ist. Das Duo ist uns bleibt eine Marke für sich, von Musik bis Komik, von Albumcover bist Text. Und vielleicht ist es genau das, was nicht nur ihre Erfolgsrezept ist, sondern und weida? auch zu einem würdigen Nachfolger von Ham kummst macht. Und vielleicht ist der Albumtitel ja auch eine Ansage, dass das noch lange nicht alles ist.

Entgehen lassen solltet ihr euch das neueste Werk aus der Mache Seiler und Speers nicht, denn es ist auf jeden Fall mehr als nur: Einmal reingehört und nie wieder. Also nicht lang gehadert und auf Spotify und iTunes zugreifen!