Spotlight: Über Gurkenalarm und die Reise der Gurke

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Der Januar und unser heutiges Spotlight steht ganz im Zeichen der Gurke: Das Duo von Gurkenalarm entführen uns gleich zwei Mal im ersten Monat des Jahres in ihre wundersamen musikalischen Gefilde. Nun ja, man könnte auch Trio sagen, rechnet man die Gurke als Maskottchen zu ihren Bandkollegen Jimmy „Captain“ Brainless und The Incredible B.

Gurkenalarm auf Reise durch irdische Galaxien. ©Gurkenalarm

Zusammen ist es ihnen seit 2012 ein Anliegen mit Wort und Klang von ihrer Wanderung auf diesem Planeten zu erzählen. Ihr erster offizieller musikalischer Stopp war bei Die Mitesser, wo sie ihre Soundspuren hinterließen. Auf ihrem Weg bis zur ihrer ersten EP Schneckenhausaffaire verkündeten die Gurken ihre melodischen Wortvereinigungen, wie die Gurken selbst ihren stark lyrisch konnotierten Stil beschreiben, auf Poetry Slams und ähnlichen Veranstaltungen.

Sogar Taiwan und das Goethe Institut standen auf dem gurkischen Reiseplan.

Reisen in Kreisen

Die Gurke ist gereift – das wird mit der neuesten Single von Gurkenalarm deutlich: Reisen in Kreisen präsentiert nicht nur hörbar die musikalische Erfahrung, die das Duo auf seinem Streifzug gesammelt hat; sondern lässt einen in wundersame wortgewandte verwobene Geschichten eintauchen, die von Piraten und fernen Galaxien erzählen.

Die Leichtigkeit der Melodie garantiert ein Schmunzeln und mit Text auch einen fetten Grinser. Und das macht Gurkenalarm so besonders, sie sind außerordentliche musikalische Geschichtenerzähler. Dem Namen nach wollen sie das auch mit ihrer zweiten EP Himmelbettgeschichten erneut beweisen, die am 20. Januar 2017 erscheint. So ist Reisen in Kreisen erst der Auftakt einer außergewöhnlichen Geschichte.

Deshalb haben wir uns noch kurzerhand mit den Wortmusikern zusammengesetzt, um mehr über den Hintergrund der Gurke zu erfahren:

Wie mögt ihr Gurken am liebsten? Salat, sauer oder ganz einfach so?

Jimmy Brainless: Lebendig an der Pflanze.

Incredible B.: Kannibalismus ist eigentlich nicht so unser Ding.

Wieso Gurkenalarm? Erzählt uns die Geschichte dazu!

Jimmy Brainless: Ich wünschte, es gäbe eine Geschichte dazu. Aber so, wie ein Kind mit einem Namen aufwächst und ihn als den eigenen akzeptiert, so war unserer auch schon da, seitdem wir uns erinnern können.

Incredible B.: Es begann vor langer, langer Zeit auf dem weit entfernten Planeten Verduras, in einem kleinen Städtchen namens Gurkentown. Dort lebten menschenähnliche Wesen in Schneckenhäusern in Symbiose mit einer riesigen Gurkenpflanze.

Beschreibt euren Musikstil in drei Worten!

Incredible B.: Akustik-Rock-Kuschel-Kitsch-Pop.

Jimmy Brainless: Georg Kreisler hat eine Reihe seiner Stücke „Seltsame Gesänge“ genannt. Ich würde den Großteil unserer Musik in Anlehnung als „seltsam lebensfrohe Gesänge“ bezeichnen.

Wieso braucht euch die österreichische Musikszene?

Jimmy Brainless: Ich vermisse das Geschichtenerzählen in der Musik. Das Meiste, das man hört, sind Momentaufnahmen und Gefühlszustände, da ist die Lage am Ende ident mit der am Anfang, was oft bedeutet, dass eigentlich nichts passiert ist. Wir versuchen das mit einigen unserer melodischen Wortvereinigungen auf der neuen EP anders zu machen, also mehr aus den klassischen Pop-Song-Schemata auszubrechen.

Wir versuchen aus dem klassischen Pop-Song-Schemata auszubrechen.

Deswegen passiert’s, dass mal gar kein Refrain da ist, wie beim onomatopoetischen Prinzen zum Beispiel oder eben ein Refrain nur zweimal vorkommt, weil die Geschichte sich so entwickelt, dass ein weiterer Refrain keinen Sinn mehr ergeben würde.

Incredible B.: Es braucht uns nicht nur die österreichische Musikszene, sondern auch der Rest dieser Welt und das gesamte Universum. Denn jeder kleine Gurkensamen, den wir mit unseren melodischen Wortvereinigungen sähen, wird sprießen und zu dicken, haarigen Ranken, die alles und jeden in ihren Bann ziehen, heranwachsen. An jedem Blatt werden diese prächtige, gelbe Blüten bilden, deren Schönheit die Herzen aller Wesen vereint. Einige werden mit gutem Grund und heller Freude saftige Früchte tragen die wir alle eines Tages gemeinsam ernten können.

Eure zweite EP Himmelbettgeschichten steht in den Startlöchern für den 20. Januar: Finanziert ihr das alles selber?

Jimmy Brainless: Nein. Die Gurke hat ihre Wege Gelder in Bewegung zu bringen. Das erleichtert einiges.

Was ist die größte Herausforderung, um in Österreich eine Platte auf den Markt zu bringen?

Jimmy Brainless: Ich glaube, die größte Herausforderung ist nicht, sie herauszubringen, sondern, dass sie von jemanden gehört und wahrgenommen wird.

Gurkenalarm im Himmelbett. ©Josip Jukic-Sunaric

Welche Quest sieht man sich als galaxienreisender Musiker gegenüber?

Jimmy Brainless: Puh. Dranzubleiben? Instrument nach Gehör stimmen?

Welche Geschichten wollt ihr mit der EP erzählen?

Jimmy Brainless: Es geht inhaltlich um den Versuch, sich nach einer Bruchlandung auf der Erde in dieser verrückten Welt zurechtzufinden. Vielleicht ist es auch ein wenig die Beobachtung, wie unterhaltsam und schräg die Menschen als Gesamtheit sind, die ständig ihren Kopf in eigene Angelegenheiten vertiefen und dabei vergessen, dass noch andere Lebewesen um sie herum existieren. Wie Pflanzen und Tiere zum Beispiel.

Welches Aspekt eurer Single “Reisen in Kreisen” spiegelt die Richtung der EP wieder?.

Jimmy Brainless: Musikalisch spiegelt sich sicherlich unser Ziel wieder, uns akustisch an Genres heranzuwagen, die man sonst vielleicht nicht unbedingt mit zwei Gitarren als Ausgangssituation umsetzen würde. Wobei das eher instinktiv entsteht, wir haben uns bei „Reisen in Kreisen“ auch nicht unbedingt bewusst entschieden, dass da ein akustisch umgesetzter Dubstep-Teil sein muss, das hat sich eher im Schreibprozess so ergeben, damit der Spannungsbogen für uns stimmt.

Wir entscheiden uns instinktiv bei der Komposition.

Ein Fun Fact über die EP oder über euch!

Jimmy Brainless: Der Entschluss die EP tatsächlich aufzunehmen, wurde während einer Sturmwanderung Ende September im Verlauf von vier unterschiedlichen Stationen gefasst. Von einer relativ nüchternen Grundstimmung sind wir dann zu einer ziemlich heiteren Beschluss gekommen.

Incredible B.: Unsere Gitarren heißen Sarastro und Kunigunde ll.

Jimmy Brainless: Es ist ein bisschen nerdy, aber: Die Silben, die sich in „Reisen in Kreisen“ reimen, also die gedoppelten Reime innerhalb einer Zeile und die Endreime jeder Zeile, bleiben den ganzen Song in allen drei Strophen gleich.

Incredible B: Gurken helfen gegen Zellulitis

~   Vielen Dank für die gurkischen Tipps, Einblicke und das Interview!  ~

Live könnt ihr die gurkengalaktische Wortzauberei auch erleben, und zwar am 19. Jänner 2017 im Spektakel beim FreispruchSlam und am 02. Februar 2017 in der Drahtwarenhandlung bei der Bilder-Bücher-Bühne ;ehr Infos dazu auch auf der Gurkenalarm Facebookseite und auf ihrer offiziellen Homepage.