Spotlight: Crystal Lake im Interview oder über Metalcore in Reinform

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Eine unbändige Kraft rollt von Japan auf uns zu: Crystal Lake ist eine der Bands, für die wir 2018 Großes sehen. Mit ihrer letztlich erschienenen Single Apollo [11. Oktober 2017] erklommen sie nicht nur die Japanischen Oricon Singles Charts, sondern verfolgen den Weg weiter, den sie mit ihrem vierten Studioalbum True North 2016 eingeschlagen haben:
Kristallklarer Metalcore in Reinform made in Japan, ohne Autotunes und weiteren Schnickschnack.

2017 schifften Crystal Lake ihren Sound auch von Tokyo bis zu uns in den Westen und überzeugten mit ihrer ersten Headliner Tour in Europa. Bei 15 Jahre Band- und Live-Erfahrung auch kein Wunder; die Leidenschaft immer voraus feilten, formten und arbeiteten sie immer wieder an ihrem Handwerk, um das beste aus sich rauszuholen – ganz Ganbatte-Mentalität eben.

Lange bleiben sie Europa aber nicht fern, denn im Juli gehen Crystal Lake bei der Japan Expo 2018 in Paris steil – und unser Bauch sagt uns, das war noch lang nicht alles was wir dieses Jahr von diesen Ausnahmetalenten zu hören und sehen bekommen.

Doch wer sind diese Menschen, die hinter der Musik stecken und was ist ihre Motivation? Wir haben Ryo [vocals] und Gaku [drums] bei ihrem letzten Auftritt in Wien getroffen und sind dem auf den Grund gegangen.

Seid ihr bereit für die erste Frage?

Ryo: Klar!

Wer hat das bessere Bier – Österreich oder Deutschland?

Ryo: Bier?

Gaku lacht.

Ryo: Du solltest wissen…wir trinken nicht, sorry!

Ihr trinkt gar nicht? Sehr vorbildlich! Dann zu einem anderen Laster: Wer hat das bessere Schnitzel?

Ryo: Yeah, Schnitzel! Ich liebe Schnitzel! In Deutschland habe ich gar keine gegessen, nur Würste [lacht]. Aber ich liebe Schnitzel in Österreich!

Das ist eure erste Europa-Tour als Headliner. Welche neuen Eindrücke konntet ihr bisher gewinnen?

Ryo: Es ist sooo gut… Es ist noch besser, als ich mir es vorgestellt hatte, beinahe bestialisch gut. Ich meine – es ist so intensiv und echt überwältigend!

Ryo [voc.] trinkt zwar kein Bier, aber liebt Schnitzel und noch mehr den Metalcore. ©kuro

Gibt es Unterschiede zwischen den japanischen und deutschen Fans?

Ryo: Ja, aber sie unterscheiden sich nur ein wenig: Japaner sind schüchterner… cooler. Japaner versuchen immer, cool zu wirken. Aber Europäer sind… woah! So viel Energie!

Welche westlichen Bands haben denn eure Musik beeinflusst?

Gaku: Hmmm…, schwedische Death Metal Musik. Deutscher Metal zählt auch zu meinen Favoriten. So schnelle, tempogeladene Drums. Wie beim Drummer von Arch Enemy!

Ryo: Ich mag schwedischen Death Metal. Er [Gaku] liebt Metal im Göteborg-Style, ich liebe Stockholm-Style. Außerdem bin ich ein großer Fan von Old School Death Metal, so… (trommelt mit den Fingern am Tisch)

Und welche japanischen Bands inspirieren euch?

Ryo und Gaku: Coldrain!

Ryo: [nickt nochmals nachdrücklich] Ja, Coldrain hat uns beide geprägt.

Gaku: [nickt zustimmend] So eine gute Band!

Eure neueste Single Apollo – welche Bedeutung hat der Song für euch?

Gaku: Der Song ist sehr melodisch, aber die Drums sind trotzdem start vertreten und intensiv. Da kann ich immer alles aus mir heraus holen und alles geben, bei sehr schnellen und groovigen Tracks.

Ryo: Apollo erzählt von der Geschichte von Crystal Lake, über die letzten 15 Jahre. In dem Song vermischen sich Vergangenheit und Zukunft und werden eins. Als Sänger habe ich viel mit meiner Stimme und Stile ausprobiert. Screaming, klarer Gesang, ein Rap-ähnlicher Style… Und so hab’ ich in meinem Part versucht, die Vergangenheit und die Zukunft zu verschmelzen, durch die verschiedenen Aspekte und Facetten.

Welche Zeile aus euren Liedern würde euch persönlich am besten beschreiben?

Ryo: Von True North. “This is the way we are, this is the way we die.” Das ist die beste Zeile, denke ich. Es drückt aus, was die Band ist und was sie alles gemacht hat.

Gaku: Prometheus ist mein liebster Song. Er ist echt was besonderes. Also etwas davon, denke ich, wenn nicht sogar alles.

This is the way we are, this is the way we die. – True North, Crystal Lake

Prometheus ist ja bekannt aus der griechischen Mythologie und Motive davon findet man auch in eurer Musik immer wieder – woher kommt eure Verbindung dazu?

Ryo: Ich liebe Mythologie einfach. Griechische Mythologie, nordische Mythologie… Es ist eine Metapher für das, was im alltäglichen Leben passiert. Prometheus Sage zum Beispiel handelt von Krieg unter den Menschen. Apollo ist eine Metapher dafür, etwas neues zu kreieren, etwas was noch niemand getan hat. Apollon ist der Gott der Lieder und Künste, darum hab’ ich ihn für unseren Song als Motiv verwendet.

Wie lange singt ihr oder spielt ihr schon Schlagzeug?

Ryo: Ich singe seit ungefähr zehn Jahren und habe mir alles selbst beigebracht.

Gaku: Ich habe vor ungefähr 18 Jahren angefangen!

Und warum Metalcore?

Ryo: Ich weiß nicht, ich mache einfach, wonach mir gerade ist. [schmunzelt]

Gaku: Vor ungefähr zehn Jahren haben mich amerikanische Metalcore-Bands wie Killswitch Engage und As I Lay Dying geprägt. Ich fand‘ sie ziemlich cool und wollte auch sowas machen.

Ryo [voc.] und Gaku [drums] stehen beide auf Death Metal aus Schweden – nur aus zwei verschiedenen Städten. ©kuro

Können wir bald ein neues Album erwarten?

Ryo: Wir haben noch nicht angefangen, an einem neuen Album zu arbeiten. Vielleicht in 2018, wir sind uns aber noch nicht sicher.

[Ryo und Gaku lachen]

Und was erwartet ihr euch von einem Live Gig? Seid ihr überhaupt noch aufgeregt?

Ryo: Klar, auf jeden Fall! Ich sehe gerne wie die Menge völlig durchdreht und abgeht! Crowdsurfen, moshen und mitsingen… Einfach das ganze Programm!

Stell euch vor: Wenn ihr eine Band wählen könntet, eine Venue und ein Land – wo und mit wem würdet ihr auftreten?

Ryo: Göteborg? Mit Aviana [lacht]. Göteborg wäre mein absoluter Favorit, denn es hat eine großartige Metal-Szene. [Anmerkung der Red.: Sie waren zu dem Zeitpunkt auf Tour mit Aviana]

Gaku: In Massachusetts mit Killswitch Engage. Oder vielleicht auch in Boston – aber mit Killswitch Engage!

~ Vielen Dank für das entspannte Interview! ~

Wenn ihr mehr über Crystal Lake wissen wollt – und vor allem von ihnen hören, schaut auf ihrer Facebook-Seite vorbei, folgt ihnen auf Instagram und Twitter und unterstützt vor allem ihre Musik! Das war’s mit unserem Spotlight für den Monat März in 2018, danke für’s vorbeischauen – wir lesen uns!