Spotlight: Kaiser Franz Josef wollen Rock wieder großartig machen

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Tom, Sham und Pete (vl.n.r.) haben es sich zur Mission gemacht den Rock wieder großartig zu machen. Bis jetzt sind sie erfolgreich. ©Jakob Vehovar

Wenn einer einen hohen Anspruch an sich hat, dann Kaiser Franz Josef: Mit ihrem neuen Album Make Rock Great Again klingen sie beinahe schon fast anmaßend – doch das können sie sich definitiv leisten. Denn die Band aus Wien kann schon einige Erfolge auf ihrer Bucket-List abhaken: Die große Chance? Check. Als Vorband von AC/DC? Done. TV-Auftritte wie der Amadeus Award? Kein Problem für die Kaiser!

Fliegender Member-Wechsel als auch die Hauptbühne von Rock am Ring 2017 machen sie nicht nur zu authentischen Rockstars, sondern auch beinahe zu dem größten Rock-Export, den Österreich momentan zu bieten hat. Dabei sind sie auf der Mission, Rock wieder zu hoheitlichem Glanze zurück zu führen.

Wir reden natürlich von gutem altem Rock, aufgenommen im eigenen Proberaum mit teilweise selbstgebauten Mikrofonen. Inspirieren lässt sich das Trio dabei hörbar von ihren Idolen von Heavy bis Grunge – von den Hellacopters über Black Sabbath bis hin zu Queens Of The Stone Age. Mitreißend versiert bekommt Make Rock Great Again den Rock regelrecht um die Ohren geblasen.

Sound, der was kann

Mal treibend-energiegeladen wie in Slaughterhouse, dann wiederum in Foo Fighters-Manier mit eingängigem Chorus und mit einer Geschichte, in die sich jeder einfühlen kann, wie mit Give It Up. Wir könnten ihnen stundenlang zuhören.

Dabei schöpft Sänger Sham hörbar sein volles Stimmvolumen aus und Gitarre, Bass und Schlagzeug spielen zusammen, als ob es genau so gehört und nicht anders. Mit ihrem neuesten Album, das am 30. Juni 2017 erschien, befinden und halten sie nicht umsonst Platz 16 in den österreichischen Charts. Die begeisterten Fans und der Zuspruch aus der Szene sprechen für sich. Doch wir wollten wissen, was Sham (Gitarre, Leadvocals), Tom (Drums) und Pete (Bass) zu sagen haben und haben ihnen deshalb ein paar Fragen gestellt:

Euer Bandname Kaiser Franz Josef hat nicht erst seit eurer Gründung in 2010 Gewicht. Stellt euch vor, ihr wärt nun in der Zeit zurückversetzt am kaiserlichen Hofe: Wie würdet ihr euch nennen, samt Adelstitel – Sham, Tom und Pete?

Sham: Ich glaube, wir wären keine Adeligen.

Tom: Eher so Hofnarren. (lacht)

Beim Titel eures neuen Albums ist eine, sagen wir: „subtile Anspielung“ nicht zu überlesen/-hören/-sehen. Wie politisch sind eure Texte wirklich?

Sham: Die Texte sind nicht zwingend politisch. Sie spiegeln nur unsere Wahrnehmungen der Geschehnisse unseres Zeitalters wieder. Es sind auch keine zeitgebundenen Texte. Die Themen, die wir ansprechen, sind immer aktuell.

Make Rock Great Again eilt die Hypothese voraus, dass Rock gar nicht mehr so great ist. Früher war vieles besser und so, oder? Was vermisst ihr?

Sham: Naja .. Der Rock ist Mitte der 90er als Popularmusik gestorben und ist jetzt nur noch so eine Nische. Was fehlt, ist eine neue Rockmusikbewegung und mit „Make Rock Great Again“ wollen wir das ein bisschen anstoßen.

Wir geben den Alten was sie kannten – und den Jungen was sie nie hatten.

Wie wollt ihr den Rock wieder great machen?

Tom: Ich denke was wir gut können, ist ein sehr breites Publikum anzusprechen und für uns zu begeistern – und gleichzeitig erdigen Rock zu machen.

Pete: Wir geben den Alten was sie kannten und den Jungen was sie nie hatten.

Sham: Besser kann man es nicht sagen.

Wie findet ihr die Themen und Motive für eure Songs? Bewusste Botschaft oder gefühlte Erfahrungen?

Sham: Der Song führt mich meistens dorthin. Ich versuche eine passende Melodie zu finden und der Text entsteht dabei allmählich zum Teil mit. Dabei enstehen auch Bilder, die ich sehe, und Gefühle – und dann muss man versuchen alles so gut und ungezwungen wie möglich zusammen zu bringen.

Welcher Song auf eurem neuen Studioalbum ist euer persönlichster? Welche Geschichte erzählt er?

Sham: Mein persönlicher Lieblingssong ist Stuck On You. In dem Song geht es um Skelette die sich beim Liebe machen ineinander verhaken, das zwar nicht primär, aber ich stell mir das immer vor. (lacht)

Pete: Chuck gefällt mir am Besten. Es bringt so eine rohe Gewalt rüber ohne über die Strenge zu schlagen. Das find ich einfach geil.

Tom: Slaughterhouse ist mein absoluter Lieblingssong auf der Platte. Der Sound… Das Stampfende .. Geil!

Sham: Es ist so lustig, dass es da keinen Bandliebling gibt, um den sich alle streiten. (lacht)

Pete: Die genannten Songs sind wirklich unsere jeweiligen persönlichen Favoriten.

Seit „Die Große Chance“ und eurem Nummer-Eins Hit „How Much Is A Mile“ wurde es mit dem verdienten Amadeus Award in 2014 ruhiger um euch. Nun fahrt ihr wieder richtig auf: Nova Rock, Rock am Ring und Wacken 2017. Hand auf’s Herz, lebt ihr euren Traum?

(KFJ lachen)

Sham: Ja klar! Die Dinge die passieren sind wunderschön und wir genießen es!

Zeitmaschinen-Frage: Was würdet ihr anders machen, wenn ihr es könntet?

Sham: Vieles! Aber auch gleichzeitig nichts, weil alle Dinge die wir vielleicht auch mal falsch gemacht haben, haben uns hierher geführt. Wer weiß, wenn man da was ändert und alles nur richtig macht, dann ist vielleicht alles anders und wer weiß ob es dann besser wäre?!

Tom: Hoch philosophisch!

(Sham lacht)

Was ist euer nächstes Ziel?

Sham: Alle Gigs so geil wie möglich spielen und so bald wie möglich mit der nächsten Platte beginnen.

Nun seid ihr ja auch immer wieder in Deutschland unterwegs. Tatsächlich trifft man doch auch immer wieder auch Sprachbarrieren (ich als Deutsche in Österreich kann davon ein Lied singen). Welcher deutsche Begriff geht für euch gar nich?

Sham: Schmand! Ich interessiere mich ohnehin wenig für Milchprodukte aber Schmand klingt besonders ekelhaft. Sauerrahm .. wunderbar sachlich.. warum können die Deutschen nicht einfach Sauerrahm sagen? Sonst? Fällt euch was ein?

Pete: Man gewöhnt sich eigentlich schnell daran und mittlerweile brauchen wir auch kein Übersetzungswörterbuch mehr.

Mit welchem Wort trefft ihr in Deutschland immer wieder auf irritiertes Gehör?

Sham: Ich habe herausgefunden, dass es weniger die einzelnen Wörter sind als eigentlich mehr die Satzstellung. Österreicher und Deutsche reden schnell einmal aneinander vorbei. Ich weiß aber nicht warum.

Tourbus oder Flieger?

(KFJ lachen)

Sham: Naja, Flieger ist schon geil!

Tom: Schon aber wir haben so eine Hassliebe, wenn es darum geht mit dem Bus zu fahren.

Sham: Außerdem sind wir geizig (lacht). Aber eigentlich ist das nebensächlich. Man versucht halt immer das beste Kosten/Nutzen- Verhältnis herzustellen. Das werden wir immer so machen, auch wenn es mal um Tourbus oder Flieger geht.

Pete: Derweil reisen wir mit unserem T4 durch die Lande.

Geschichten aus dem Tourbus: Was muss unbedingt mit?

Sham: Ein 220V Trafo für normale Steckdosen.

Tom: Playstation, Fernseher.

Pete: Handyvertrag mit Internet im Ausland!

Nun noch ein bisschen Hintergrund zur Bandgeschichte: Wie wurden Tom, Sham und Can zu Tom, Sham und Pete?

Sham: Erzählt ihr das?

Pete: Mich hat der Tom beim Saufen in Wiener Neustadt an einem Mittwoch getroffen. Wir sind ins Gespräch gekommen und jeder kennt dort jeden irgendwie und ich hab‘ gewusst die suchen einen Bassisten also hab‘ ich ihm gesagt er soll mich anrufen. Ich hätte mir nie gedacht, dass er’s dann tut aber paar Wochen später stand ich im Proberaum.

Was braucht die Musikbranche in Deutschland und Österreich wirklich? (außer großartigen Rock)

Sham: Gute Frage… Vielleicht mehr Budget!

Dankeschön für das Interview und eure Zeit!


Ach ja, im Herbst 2017 machen Kaiser Franz Josef auch wieder Deutschland und Österreich unsicher!

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