Spotlight: Kill Reflex erstürmen die Bildfläche

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Neulich bekomme ich von einem Freund aus Deutschland eine Facebook Message: „Hey Bernd, wie is die Lage? Alles gut bei Dir? Hab Dir grad mal eine Einladung von meiner neuen Kapelle geschickt. Vielleicht gefällt dir das was wir machen.“ Natürlich lasse ich mir das nicht zweimal sagen und surfe auf die Bandseite, die er mir nennt.

Im Nachgang betont Lester noch dezent, dass es sich musikalisch doch von seinen bisherigen Projekten unterscheidet. Der gute Mann sollte Recht behalten, allerdings bin ich qualitativ mindestens genauso angetan, wie von den bisherigen Bands, in denen er den Tieftöner bedient hat.

Vorhersage: Bolt Thrower Fans kommen auf ihre Kosten

Kill Reflex rollen wirklich wie ein Panzer daher. Da gibt es sehr tighte Riffs, die von einem Geballere an den Drums begleitet werden, dass man sich fragt, ob Zeugler Jack Ill in Wirklichkeit ein Arachnoid ist. Dennoch gelingt es der Band, soweit vom Gas zu gehen, damit auch wirklich melodiöse Soli ihren Platz finden, bevor sich ein Gewitter aus Double Bass aufbaut, um den Hörer endgültig vom Platz zu blasen. Die beiden Songs auf der Bandcamp-Page von Kill Reflex krachen auf jeden Fall ordentlich und ich kann es kaum erwarten, bis die erste Single wirklich auf Vinyl erscheint, wie von der Band versprochen.

Der geneigte Leser wird sich jetzt fragen, wieso ich hier einen Artikel schreibe. Greife ich doch nur zur Feder, wenn ich selbst ein großer Fan einer Band bin oder eine bestimmte Beziehung zu den Musikern habe.

Es begann in Gravelands Kaloffornia

Ich gehe zurück ins Jahr 2002. Meinereiner war damals gerade Zivildiener, hat sich mit seinem mickrigen Gehalt einen Minidisc-Player gekauft und war gerade dabei, sich nach einer Dekade Hardcore-Punk in Richtung Horrorpunk und Psychobilly zu bewegen. Auf einer Disc, die mir von einem Kollegen zugesteckt wurde, war Fright Night der deutschen Band The Spook drauf. Der Sound war damals wie Koks für meine Ohren. Lester Vail (Bass) und Jack Ill (Schlagzeug) waren in dieser Band.

Auch die nächsten Alben habe ich förmlich in mich aufgesogen, bis es stiller um die Jungs wurde. Erst 2010 wurde ich wieder hellhörig, als die Band Death of a Demon ihr Album Doomsday Euphoria auf Fiendforce (dem Horrorpunk Label von The Other Sänger Rod Usher) veröffentlicht wurde. Dort spielten die beiden Jungs, verstärkt vom ehemaligen The Spook und Heartbreak Engines Fronter Lou Gosi, Syd Vega (der auch bei den Engines an der Gitarre war) und Jan Meininghaus (der mir bis dahin nur als Illustrator bekannt war. Übrigens: Checkt mal Jans Arbeiten und seine neue Band Saint Serpent aus).

Thrash´n´Death Metal Made in Bochum. © Kill Reflex

Doomsday Euphoria hab ich damals übrigens für die Urfassung von Plattentellerrand reviewed…vielleicht grab‘ ich es aus dem Archiv aus.

Auf jeden Fall war es 2010 dank Facebook leichter, mit den einzelnen Bandmitgliedern in Kontakt zu treten und es begann so manche Fachsimpelei über Musik, Filme und die ganze Welt und es entwickelte sich eine Art Freundschaft (soweit dies auf rein digitaler Ebene möglich ist). Was sich aber auf alle Fälle entwickelt hat: 15 Jahre, in denen ich die Projekte von The Spook Membern verfolgt habe und das auch ein Mitgrund ist, wieso es hier auch etwas über Kill Reflex zu lesen gibt und ich mir bei Zeiten auch Jack und Lester vors Mikrofon oder Videohangout holen werde, um sie zu ihrem neuen Bandschätzchen zu befragen. In diesem Sinne: stay tuned!

Durch seine Adern pulsiert Rockmusik und er hängt an der Nadel, seit er als Kind in die Plattensammlung seines Vaters gefallen ist. In den frühen 80ern geboren, erlebte er den Abgesang der Schallplatte, die Hochzeit der Mixtapes und den Siegeszug der CD.