Spotlight: Mother’s Cake und die Macht der Randomness

Sie leben den Rock und das ganz random: Wir haben Mother's Cake getroffen, um über ihr neues Album, Kuchen, Missgeschicke und die Randomness im Leben zu sprechen.

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Vorhang auf, Scheinwerfer an, Mother’s Cake trumpfen wieder auf: Mit dem neuen und somit dritten Album No Rhyme No Reason beweisen sie erneut, dass ihnen die Musik durch’s Blut fließt. Fingerspitzen- und Feingefühl hört man nicht nur, wenn die Seiten des prägnanten Bass gezupft werden, sondern auch im jeden Takt, jeder Strophe und in der Stimme. Doch das bedeutet keineswegs, dass euch hier sanfte Klänge erwarten. Nein, eine geballte mitreißende Energie wird mit jedem einzelnen Track entfesselt, Spannung aufgebaut und dann – die Auflösung, das Ohr ist zufrieden.

Nicht zuletzt ihre Erfahrung, die sie die letzten 9 Jahren bei vielzähligen eigenen Auftritten und als Vorband von Größen wie Limp Bizkit gesammelt haben, ist deutlich hörbar. Das Album klingt reifer, dreckiger – auf eine elegante Art und Weise, als wären sie angekommen. Davon zeugte bereits der Song The Killer, den sie vor dem offiziellen Album-Release am 27.01.2017 als Kostprobe veröffentlichten: Die Eingängigkeit eines Seven Nation Army trifft auf die geballte musikalische Sprungkraft eines Leoparden. Ja, ich merke, das klingt alles recht euphorisch – doch Euphorie schwing auch in der Musik selbst; und das im guten Sinne, denn neben dem überzeugenden ersten Höreindruck wird vor allem eins deutlich:

So authentisch wie sie aussehen, sind sie auch. © Mother’s Cake

Diese Jungs haben Leidenschaft im Herzen und lieben und leben den Rock. Dabei sind Yves (voc+git), Jan (drums) und Benedikt (bass) genauso authentisch wie ihre Musik selbst. Was geht aber nun so vor in diesen Künstler-Hirnen? Wer sind die Personen hinter diesem Werk und was denken sie sich bei der ganzen Sache überhaupt? Diese Fragen sind uns als erstes random durch den Kopf gegangen, als wir Mother’s Cake zum Interview trafen. Dass „random“ auch eine Lebensphilosophie sein kann und schon beinahe holistisch ist, ist nur eine Erkenntnis von vielen aus diesem Interview.

Wir kommen um diese Frage zum Einstieg nicht drum rum: Was ist denn euer Lieblingskuchen?

Jan: Donauwelle

Benedikt: Schwarzwälder….

Jan: Nein, das zählt nicht, das ist eine Torte! Es muss Kuchen sein, das ist voll wichtig.

Benedikt: Mhh, dann muss ich noch überlegen.

Yves: Schokolade, Sahne, dann Kuchen dazwischen, dann noch Erdbeeren – ne, Erdbeeren hass‘ ich eigentlich. Sahne …

Also Kinderpinguin?

Yves: Ja, nur in verschiedenen Schichten und 43 cm lang.

Und nun mal Spaß beiseite – wie seid ihr auf euren Namen „Mother’s Cake“ gekommen?

Jan: Das ist so eine Sache mit uns, dass viele Dinge irgendwie einfach so passieren, ohne dass wir uns Gedanken darüber machen.

Yves: Außerdem haben wir ein Funkgerät, da empfangen wir sehr viele Frequenzen von außerhalb und da kommen uns so manche Worte unter die Ohren.

Jan: Ja, da sind wir tatsächlich ohne Antwort bestückt, da es einfach random war.

Wir treffen uns heute ja zu einem ganz besonderen Anlass, euer drittes Album ist heute erschienen! Nun verändern sich ja Bands oft von Platte zu Platte, sie experimentieren, orientieren sich neu – stellt ihr eine Veränderung bei euch fest?

Yves: Ja wir verändern uns sogar tagtäglich und umso älter wir werden, umso langweiliger werden wir auch – aber das soll sich nicht auf die Musik auswirken!

Dann war die Frage falsch gestellt, wir beziehen uns natürlich auf eure Musik und euch als Musiker :p

Yves: Ahh, okay! Na die Musik geht den umgekehrten Weg.

Jan: Man muss ja kompensieren, dass man alt und langweilig wird, also schreibt man noch geilere Songs. Wenn wir allerdings einen smashing Number Hit One Album als erstes rausgehauen, wären wir auch ziemlich blöd ein Erfolgsrezept einfach so wegzuschmeißen. Aber da wir mit Teilerfolg gesegnet sind, lässt es uns auch die Tür offen, uns zu finden und neu zu erfinden.

Benedikt: Ja, das kann man so stehen lassen, es wäre ja auch seltsam, wenn du nach Jahren immer dasselbe machst.

Yves: Ja, Veränderung ist gut, Stillstand ist scheiße.

No Rhyme No Reason – welcher Gedanke steckt hinter dem Albumtitel?

Yves: Wo wir wieder beim selben Thema wie beim Bandnamen sind, das ist nämlich eine schöne Erklärung für den Bandnamen. Das Sprichwort, auf dem der Albumtitel basiert, heißt ursprünglich No Rhyme OR Reason, also im übertragenen Sinne „there is no reason or explanation“, und das ist eh so ein bisschen Bandmantra.

Wie schon vorher gesagt, viel passiert random bei uns und der Bandname hat sich auch so gefunden und auch so haben wir uns entschieden, nach neun Jahren nochmal ein Album zu machen, obwohl man weiß, das Rock’n’Roll Ding ist nicht die rationalste Entscheidung. Das ist auch random passiert – beziehungsweise hat das für uns viel mit Passion zu tun, dass man’s immer noch macht, wenn man darauf steht. Zurück zum Sprichwort und zum Albumtitel: Um daraus ein Statement zu machen, tauscht man das Or halt mit einem zweiten No aus und hat No Rhyme No Reason.

Vieles passiert random bei uns.

Als Künstler ist man ja oftmals auch sehr kritisch mit sich und seinem Werk – ab wann wisst ihr, dass ein Song genauso sein soll und nicht anders?

Mother’s Cake: (antworten fast gleichzeitig) Niemals!

Jan: Bei uns ändern sich die Songs tatsächlich ja ständig live, was der Beweis dafür ist, dass wir es nie so richtig wissen eigentlich. Aber es gibt Momente, wo wir es für gut befinden. Dann gibt’s wieder Momente, wo wir uns denken „Eigentlich könnte er geiler sein“ – und dann passiert was!

Yves: Ich denke, das hat aber jeder, der etwas kreiert – jeder Künstler, Maler und Musiker. Jeder würde gern tausendmal etwas neu an den Dingen machen, die er bereits schon gemacht hat.

Benedikt: Aber ja, irgendwann muss auch mal was fertig werden. Es ist gesund, mal die Reißleine zu ziehen und etwas wegzulegen, sonst dreht man auch irgendwann durch. Haben wir alles schon erlebt.

Es ist gesund, mal die Reißleine zu ziehen und etwas wegzulegen.

Yves und Benedikt, ihr habt 2005 ja bereits mit Brainwashed und Band Contests angefangen – nach 12 Jahren Bühnenerfahrung, was war euer größtes Missgeschick auf der Bühne, vielleicht auch eines, von dem niemand weiß?;)

Yves: Von dem keiner weiß? Das möcht‘ ich lieber nicht erzählen (lacht). Was ich erzählen kann, ist eher harmlos; In München bei einem Auftritt war eine sehr hohe Bühne, und ich dachte mir „Mach ich noch einen Stage Dive“ – und dann bin ich einfach zu weit gesprungen – über die Menschen drüber … und bin dann mit meinem hinteren Teil meines Körpers …

Deinem Rücken?

Yves: Ja, genau, Rücken, Hinterteil, Hinterkopf und Ferse auf dem Beton gelandet. Ich konnte meine Gitarre zum Glück noch rumdrehen und retten. Zum Glück war das Konzert da dann schon am Ende. Ein Grand Finale also.

Benedikt: Mein größtes Missgeschick? Zu Brainwashed Zeiten bin ich betrunken am Schlagzeug hinter die Bühne gefallen.

Jan, hast du sonst was Peinliches oder passiert dir nichts Peinliches?

Jan: Ne, ich bin immer nüchtern auf der Bühne und mach vor dem Gig noch schnell meine Steuererklärung – und dann kann ich so richtig abrocken.

Ihr seid schon für Limp Bizkit, Le Tigre und Velvet Revolver als Vorband aufgetreten. Nun spielt ihr seit Jahren eure eigenen Shows. Wenn ihr zurückblickt, was war die wichtigste Erfahrung für euch?

Jan: Für Liveauftritte allgemein fand‘ ich für mich selbst total wichtig zu lernen, nicht zu sehr darauf zu achten, was vor der Bühne abgeht. Als Schlagzeuger steh ich ja auch nicht an vorderster Front, aber es ist wichtig sich nicht verunsichern zu lassen. Aber vor allem den Moment mitbekommen und auskosten ist wichtig, wenn es umgekehrt ist und es voll abgeht. Den Moment zu genießen und zu leben.

Yves: Eine wichtige Erfahrung für mich: Wenn man sehr betrunken ist und man denkt man ist nicht betrunken, und man denkt man ist extrem gut und kann extrem gut Solos spielen und singen, dann sollte man seinen Verstärker nicht lauter drehen. Das ist nicht so gut.

Ein Land, eine Band und eine Venue eurer Wahl – wo, mit wem würdet ihr am liebsten auftreten, wenn alles möglich wäre?

Jan: Südamerika, da wäre es mir relativ egal wo. Mit King Gizzard & the Lizard Wizard mit uns als Headliner und Support von Mötley Crüe und die Bühne vom Red Rock Amphitheater.

Benedikt: Ich würde gerne mit Michael Jackson auf der chinesischen Mauer spielen, und die ist auf dem Mond.

Yves: Ich würde gerne im p.m.k. in Innsbruck spielen mit einer Vorband aus Ost-Tirol.

Okay, da bleiben wir sehr regional. Als nächstes ganz blöd gefragt: Wieso macht ihr das eigentlich? Geld, Ruhm, oder die Weltherrschaft?

Yves und Ben: Für alle drei Sachen.

Jan: Und alle drei Sachen aufgegeben – ne klar, für alle drei natürlich.

Yves: Vor allem aber, weil es Spaß macht. Ich meine, wir haben das zu unserem Beruf gemacht, was wir lieben. Wer hat das schon?

Benedikt: Stimmt.

Welchen Erfahrungsschatz wollt ihr angehenden Künstlern nicht vorenthalten?

Yves: Vergesst eure Ideale, geht gleich ins Business und fangt gleich mit Schlager an.

Jan: Lasst das Establishment nicht zu schnell an euch ran und behaltet euch die Jungfräulichkeit einer Idee, die ihr geil findet, möglichst lang bei; egal ob Leute nun großartig darauf abfahren oder nicht. Schlussendlich soll es vor allem ein Ventil sein, wo ihr denkt, ja das drückt genau aus, was ich ausdrücken möchte. Ob hittauglich oder trashig, scheißegal.

Ob hittauglich oder trashig, scheißegal.

Ben: Ja, ganz was Romantisches: Mach immer genau das, was du machen willst und mach nie was, nur weil es jemand sagt.

Die Frage zum Schluss: Ihr habt eure neue Platte in die große weite Welt entlassen, was für Worte wollt ihr noch mit auf den Weg geben?

Jan: Flieg Falke, du bist frei!

Benedikt: Run Forest, run!

Yves: Mach’s gut.

~   Vielen Dank für  das erfrischende und aufschlussreiche Interview! ~

Doch damit nicht genug: Mother’s Cake sind  nach einem kurzen Abstecher nach Australien auch bei uns auf Tour: Ab März 2017 touren die Österreicher durch Deutschland und ab April 2017sind sie in Österreich auf Tour! Mehr Infos dazu auf ihrer Webseite oder Facebook.

© Mother’s Cake