Spotlight: VII ARC – Exotik Made in Germany

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Untypisch für die europäische Musikszene präsentieren sich VII ARC. Mit ihrem Debutalbum DOXA feierten die vier Jungs aus Essen knapp vor einem Jahr Prämiere, die Band selbst hat gerade ihren dritten Geburtstag hinter sich. Inspiriert von der japanischen Rockszene vereinen VII ARC Elemente aus den verschiedensten Stilrichtungen und zeigen sich bewusst experimentierfreudig. Metalcore trifft Alternative Rock mit einem Beigeschmack von Industrial.

Auf den ersten Blick stechen sofort die schrägen Outfits der vier Musiker ins Auge. Der japanische Visual Kei-Stil erfreut sich in Europa eher weniger großer Bekanntheit, aber auch gerade deswegen punktet das Quartett aus Deutschland oft mit ihrem exotischen Charakter. VII ARC standen schon auf den verschiedensten Bühnen, von der größten Anime Convention Deutschlands bis zum kleinsten Club in Essen. Dabei begeistern sie regelmäßig auch die skeptischsten Besucher und können somit eine stetig wachsende Fanbase vorweisen.

VII ARC haben Spaß an ihrer Musik, daran lassen sie keinen Zweifel. In diesem Interview erzählen uns die vier Künstler wie es ist, das erste eigene Album zu veröffentlichen, was sie inspiriert und womit eine westliche Visual Metal Band konfrontiert wird.

Stellt euch doch zum Einstieg einmal kurz vor.

Kay: Ich bin Kay, ich bin der Sänger der Band und gleichzeitig shout’ ich auch den Großteil der Sachen. Ich schreib’ die Texte alle und bin auch irgendwie so ein bisschen der Kopf der Band.

Fū: Ich bin Fū, ich spiele Leadgitarre und beschäftige mich hauptsächlich mit dem Komponieren der Songs.

Grazel: Ich bin Grazel, spiele Bass in der Band.

Bena: Hi, ich bin Bena! Der „Screaming Guitarist“ der Band.

Wie würdet ihr mit einem Wort euer erstes Album beschreiben?

Kay: Ein Wort… Experimentell.

Grazel: Feuer. Eine Flamme, die sich zu einem größeren Feuer ausbreitet. Das ist unser Album, unsere Band, die damit wachsen wird. Hoffentlich. (lacht)

Fū: Ah, fuck (lacht). Mir fällt kein cooles Wort ein, aber es hat Dynamik, es hat Kraft. Es zieht einen mit und geht ab.

Bena: Crazy!

Euer erstes Album DOXA ist nun beinahe ein Jahr alt. Wie hat es sich angefühlt, nach so viel Arbeit das Ergebnis in der Hand zu halten?

Kay: Wenn man so die CD das erste Mal in den Händen hält ist man einerseits mega stolz und erleichtert, dass es nach den ganzen Mühen endlich fertig ist. Auf der anderen Seite hat man an sich selbst hohe Erwartungen, aber auch Ängste: Wie werden Leute darauf reagieren? Ist es wirklich so gut wie man selbst denkt oder hofft? Es ist auf jeden Fall die Mühe wert gewesen.

Fū: Ein bisschen underwhelming. Eigentlich nur aus dem Grund, dass man sich eigentlich schon so viel damit beschäftigt hat, da konnte man sich gar nicht mehr freuen. Wir schreiben die Songs, wir überarbeiten sie, wir gehen ins Studio, spielen alle Songs ein, spielen sie nochmal ein und so weiter… Sehr viel Zeit und Kraft reingeflossen. Wir sind natürlich zufrieden und Stolz drauf, waren aber mit dem Kopf schon wieder wo anders.

Ein bisschen underwhelming.

Grazel: Ich kann mich dem so in etwa anschließen. Für uns als Band ist das so in gewisser Hinsicht schwierig, noch die Überraschung zu haben. Wir haben ein halbes Jahr komplett alles durchgeplant, ich hab das dann gar nicht so gemerkt. Für uns war die Überraschung eher, wie es dann ankommt.

Bena: Erleichternd! Wir saßen Tage und Nächte an der Vorproduktion des Albums. Bis kurz vor der Produktion wussten wir nicht einmal wie das Endergebnis klingen wird. Als wir dann die ersten Mixes gehört haben war ich echt glücklich und dachte mir „Ok. Das war den Aufwand wert!“

Den ersten Song habt ihr fast ein Jahr vor dem Album veröffentlicht. Wie lange habt ihr an der CD gearbeitet?

Kay: Die Ideen zu vielen unserer Songs sind schon etwas älter, bis zu drei Jahre. Zu dem Zeitpunkt hatten wir bei einem Contest eine Aufnahme gewonnen und damals wollten wir noch keinen der Songs nehmen, die vielleicht ein bisschen extremer sind. Wir wollten für den Anfang einen neutraleren und eingängigeren Song, darum ist die Wahl auf Love It Or Leave It gefallen. Für das Album haben wir dann den ganzen Sound nochmal an den Rest angepasst und sind mit der neuen Version ziemlich zufrieden.

Hattet ihr mit Love It Or Leave It schon ein Konzept für das ganze Album?

Fū: Ich will jetzt nicht zu sehr ins Technische gehen. Wir haben ursprünglich bei den Gitarren mit einer Standartstimmung angefangen, sind dann aber immer mehr ins Härtere und Düsterere gegangen. Wir sind dann auch im Tuning runter gegangen. Dementsprechend sind die Songs dann auch härter geworden. Love it Or Leave It war dann der erste Song, den wir in diesem tieferen Tuning aufgenommen haben und war quasi auch der erste Song von unserem neuen Konzept. Dementsprechend hat sich das Album dann auch entwickelt, insgesamt düsterer und härter als vorher. Anfangs haben wir noch sehr viel experimentiert, haben dann aber schnell gemerkt, dass uns diese Art von Songs eher liegt.

Seit ihr mit dem Stil des Albums zufrieden?

Kay: Bei unserem ersten Album haben wir alles alleine gemacht und hatten keine Hilfe von außen. Wir hatten keine Gastmusiker oder Chöre im Hintergrund. Wir wissen natürlich, dass wir mit dem nötigen Kleingeld noch bei jedem Song ein klein bisschen drauf legen hätten können. Verschiedene Instrumente einspielen, eine weibliche Background-Sängerin, … Da hätte man noch was machen können. Aber ich denke wir haben mit unseren momentanen Möglichkeiten das Maximum aus der Platte rausgeholt. In dem Kontext sind wir auf jeden Fall zufrieden.

Habt ihr persönlich Lieblingstitel am Album?

Fū: Einer meiner Favourites ist auf jeden Fall musei no ningyou Der hat mir auch beim Komponieren sehr viel Spaß gemacht, war auch relativ aufwendig. Vielleicht einer der aufwendigsten, bei dem wir am meisten Zeit investiert haben, aber auch umso zufriedener mit dem Ergebnis sind. Thanatophobia gefällt mir auch sehr gut, vor allem Richtung Solo. In dem Song kann man richtig aufgehen, Emotionen rauslassen. Auch live. Einen raussortieren ist aber schwierig, mir gefallen eigentlich alle. Soll ja auch so sein. (lacht)

Kay: Schwierig. Es gibt natürlich Songs, die hör‘ ich mir lieber auf CD an als sie zu performen. Es gibt dann natürlich aber auch Songs, die ich lieber live singe. Dann gibt’s Songs, da merkt man einfach, dass das Publikum das viel lieber hat als wir selbst. Wenn ich jetzt einen oder zwei nennen müsste, würde ich auch musei no ningyou sagen. Den find ich sehr, sehr gut gelungen. Was ich auch noch richtig gut finde ist Laughing Masochist. Der ist einfach, der ist prägnant und der macht live Spaß.

Es gibt Songs, da merkt man einfach, dass das Publikum sie viel lieber hat als wir selbst.

Grazel: Ich glaub am meisten Spaß hab‘ ich selbst mit JANUS CARTHASIS gehabt. Ich finde, der ist musikalisch sehr dynamisch gestaltet und von der Atmosphäre eines der stärksten Stücke. Thanatophobia ist natürlich auch mega krass. Ich finde, die beiden passen ziemlich gut zusammen.

Bena: JANUS CATHARSIS. Zusammen mit dem Instrumental-Track tashou vermittelt er eine sehr düstere und eindrucksvolle Atmosphäre.

Welches andere Album hat auch persönlich am meisten beeinflusst?

Fū: Das ist hart.

Kay: Als ich damals angefangen hab, japanische Musik zu hören, da hat mich Withering to Death von Dir En Grey am meisten beeinflusst. Ich hab‘ zwar schon andere Bands gehört, wie D’espairsRay, aber als ich dieses Album zum ersten Mal gehört habe, hat es mich sehr geprägt. Zusammen mit Coll:set war das so mit 15, 16 ein ziemlicher Kulturschock, darum habe ich mich dann mit dieser Musik viel intensiver beschäftigt.

Zusammen mit Coll:set war das so mit 15, 16 ein ziemlicher Kulturschock.

Fū: Wenn ich eins nennen müsste, dann entweder Blue Blood von X Japan oder Hide your Face von hide, weil das ein krasser Einschnitt für mich war. Als ich diese Alben gehört habe, wollte ich selbst Gitarrist werden und Songs schreiben. Das war so ungefähr mit Anfang 16.

Bena: Royal Order von der japanischen Band Lycaon. Das Album ist von vorne bis hinten ein persönliches Meisterwerk!

Grazel: Coll:set von D’espairsRay. Als wichtigstes Album meines Lebens ist das aber sehr schwer auf so wenig festzulegen, daher will ich hier noch die Soundtracks von Final Fantasy IX, VIII und VII von Nobuo Uematsu erwähnen, die mich besonders als Musiker sehr stark geprägt haben!

Wann ist dann die Idee gekommen, eine Band zu gründen?

Fū: Ich hab früh schon mit Kollegen ein bisschen rumgejamt bei mir zuhause. Jeder Teenager der ein Instrument spielt, träumt von einer eigenen Band und dementsprechend haben wir dann auch angefangen. War natürlich nichts, war nur Murks. Keiner konnte irgendwas (lacht). Dann haben Kay und ich uns auf der Uni kennengelernt, hatten den selben Musikgeschmack. Wir haben ein paar Songs geschrieben und geprobt. Als wir besser wurden kam dann Bena noch dazu.

Kay: Da kann ich jetzt nichts hinzufügen, außer vielleicht ein paar Anekdoten wie wir mit PC-Boxen und Gitarre im Kinderzimmer zum ersten Mal was gemacht haben. Und Singstar-Mikrofon!

Wie reagieren andere Bands, wenn sie euch in vollem Makeup sehen?

Fū: “Hey, Schwuchtel!” (lacht)

Kay: Wenn die uns sehen sind sie schon leicht verstört. Die wissen halt nicht, was los ist. Aber wenn man dann spielt wird’s besser. Leute, die das nicht kennen, können das dann auch nicht einordnen. Sie versuchen das immer mit Musikgenres zu beschreiben, die bekannter sind. Metal und was man halt so kennt. Meistens stößt man erst mal auf Ablehnung aufgrund der Optik, auf der Bühne kommt dann etwas Bewunderung und Verstörtheit dazu. Gerade bei anderen Musikern. Das Publikum ist da meistens etwas offener, weil die unterhalten werden und Spaß haben.

Das Publikum ist da meistens etwas offener.

Außerhalb von Deutschland, wo würdet ihr am liebsten ein Konzert spielen?

Kay: Mein absoluter Traum wär’s einmal in Japan zu spielen, auch wenn’s nur in ‘ner kleinen Halle ist. Das wär schon eine sehr besondere Angelegenheit.

Fū: Ich glaub, da können wir uns alle anschließen. Japan ist so unsere Top 1. Aber sonst fände ich auch jedes andere Land auf jeden Fall geil. Wenn wir die Möglichkeit hätten, würde ich nicht nein dazu sagen. Das Publikum ist in jedem Land anders, das wär schon sehr interessant.

Euer erstes Album bietet ihr auf der Homepage gratis zum Download an. Was hat euch dazu bewegt?

Fū: Wir haben den Entschluss gefasst, das umsonst anzubieten, weil wir wenig Sinn gesehen haben, das für 15€ anzubieten. Wir haben gedacht, dann laden das eh nur fünf Leute runter. Wir müssen erst mal bekannter werden. Also haben wir gedacht, wir bieten es umsonst an. Da können alle Leute reinhören. Wenn dann jemand denkt “Geil, gefällt mir!”, dann kommt der vielleicht zum Konzert und kauft dort eine CD um uns zu unterstützen. Ich glaube heutzutage macht das am meisten Sinn.

Habt ihr noch ein paar Worte an eure Fans?

Kay: Den alten Fans kann man einfach nur danken. Es gibt Leute, die supporten uns seit Anfang an und kommen wirklich zu jedem Gig. Es ist eine sehr kleine Gruppe, aber sie tun wirklich alles um uns zu unterstützen. Und allen anderen, potenziell neuen Fans kann man nur sagen: “Gebt uns ‘ne Chance. Wir haben Spaß an unserer Musik, vielleicht habt ihr da auch Spaß. Vielleicht kann man dann sogar live zusammen abgehen, denn dafür ist Musik da.”

Wir haben Spaß an unserer Musik!

~ Vielen Dank für das ausführliche Interview! ~

Wer Lust auf mehr bekomment hat, checkt am besten einfach die Live Dates auf der Homepage der Jungs. Das nächste Konzert steht schon am 25. Februar 2017 im Don’t Panic Essen an, aber auch danach werden VII ARC wieder von Bühne zu Bühne ziehen.