Thomas Heher im Interview: Der Kopf hinter dem Waves Vienna Festival

Interviews

Zum siebten Mal steht das alljährliche Waves Vienna nun vor der Tür, dieses Mal findet das Festival von 28. bis 30. September 2017 statt. Auf den Plakaten wurde der Fuchs, das Maskottchen des letzten Jahres, bereits gegen einen Dachs ausgetauscht – auch ein neues Lineup schmückt die Flyer des Waves Vienna.

Ganz nach dem eigenen Motto „East meets West“ finden sich unter den Acts Künstler aus den verschiedensten Ecken der Welt. Ob Electronica aus Taiwan oder Hip Hop aus den Vereinigten Staaten, das Festival verspricht bereits jetzt, erneut ein Erlebnis der Extraklasse zu werden. Und dabei ist die Liste der Künstlerinnen und Künstler noch gar nicht zu Ende geschrieben!

Aber wie kommt man eigentlich auf die Idee, ein derart einzigartiges Festival mitten im Herzen von Wien auf die Beine zu stellen? Wir haben uns mit dem Veranstalter des Waves Vienna, Thomas Heher, zusammengesetzt um ihn genau das zu fragen.

Erzähl doch erstmal etwas von dir – was machst du und wieso machst du es?

Thomas: Ich hatte im Laufe 2010 die Idee ein Showcase-Festival in Österreich zu gründen, damals war ich noch als Herausgeber des TBA Magazins im Monopol Verlag tätig. Das Festival, das mir damals vorschwebte, sollte sich vor allem einen Austausch zwischen der Ost- und Westeuropäischen Musikszene ermöglichen bzw. befördern. Eine Art Plattform für Networking, und auch um die Sichtbarkeit der heimischen Musikszene auf der internationalen Bühne zu verbessern.

Was ist dein Resumée zum Waves Vienna 2016? Was war gut, was wollt ihr künftig anders machen?

Thomas: Ich denke, dass der Schritt das Festival vom 1. in den 9. Bezirk zu verlegen ein richtiger war. Großer Anteil daran hatte aber das WUK, das sich als eine großartige Venue sowie Festival- und Konferenz-Zentrum entpuppt hat. Alles in allem kann ich nun schon sagen, dass es wohl eines der besten, wenn nicht das beste Waves bislang war. Diesen Weg wollen wir so weitergehen und vielleicht auch neben Musik noch Raum für andere Kultursparten schaffen. Aber dazu gibt es noch keine konkreten Ideen und Pläne.

Welche Rolle übernimmst du als Festivalleiter?

Thomas: Ich bin für die grundsätzliche Ausrichtung des Festivals und vor allem für die internationalen Kooperationen zuständig. Aber da wir eine sehr kleines Team sind, habe ich auch bei vielen anderen Themen meine Finger drin, in erster Linie wohl aber beim Booking der Bands und der Programmierung der Conference.

Was macht ein gutes Festival aus? Welche Herausforderung besteht aktuell in der Festivalszene in Österreich – und für’s Waves im speziellen?

Thomas: Ich denke ein gutes Festival macht vor allem das Potenzial zu überraschen aus. Sei es nun ein Act, der besonders gefällt und man es gar nicht erwartet hätte, eine Venue oder vielleicht auch eine Veranstaltung auf der Konferenz. Natürlich versucht man immer den einen oder anderen Acts zu finden, der vielversprechend ist und in Zukunft zu einem großen Namen werden kann, aber meist ist es dann doch ein anderer Act, der positiv überrascht, von dem man es vielleicht gar nicht vermutet hätte.

Norma Jean Martine am Waves Vienna 2016 © Mascha Peleshko

Jedes Festival braucht seine musikalischen Zugpferde. Was ist euer Hauptaugenmerk bei der Auswahl der musikalischen Acts?

Thomas: Wir schauen beim Booking in erster Linie darauf, dass die Acts, auch wenn sie schon bekannter sind, noch eine gewisse Einzigartigkeit aufweisen, interessant sind und überraschen können.

Wie schwierig ist es die Balance zu halten zwischen der Förderung von Newcomern und Publikumsmagneten?

Thomas: Es braucht halt für ein jedes Festival auch bekannte Namen, die Leute ziehen, damit auch Tickets gekauft werden. So auch bei uns, wobei das tatsächlich nur ein paar pro Tag sind. Alle anderen Slots stehen den Newcomern offen.

Welche Veränderung am Musikmarkt bzw. für Nachwuchskünstler hast du bemerkt? Zu welchen wollt ihr Beitragen, was wollt ihr vermeiden?

Thomas: Die Demokratisierung der Produktionsmethoden in den letzten Jahrzehnten hat dazu geführt, dass es heute so leicht wie nie zuvor ist, halbwegs qualitativ hochwertige Musik in kürzester Zeit in den eigenen vier Wänden zu produzieren. Wo man früher noch ein Major-Label brauchte, um Geld für ein Studio aufzubringen, setzt man sich heute einfach in den Probekeller mit dem Computer und hat alle Voraussetzungen geschaffen. Das heißt aber natürlich auch, dass es heute viel mehr gute Musik gibt, die über das Internet noch dazu leicht zugänglich ist. Daraus ergibt sich für den Konsumenten eine unglaubliche Auswahl, die jeden überfordern muss. Das heißt, um zu seinen Hörern zu kommen, muss es eine Art Kuratierung oder auch ein Empfehlungssystem geben. Das manifestiert sich auf unterschiedlichsten Kanälen, einer davon ist mit Sicherheit auch z.b. das Waves Vienna, wo man viel neue Musik, neue Künstler kennen lernen kann und Musiker ein Publikum finden können.

Wird es tendenziell schwieriger, als Künstler/in ein Auskommen zu finden – wie wichtig ist hier ein Netzwerk der Musiker untereinander?

Thomas: Auf jeden Fall. Schon alleine durch die Vielfalt bedingt ist es enorm schwierig sein Publikum und damit auch ein Auskommen zu finden. Heute kann man sich kaum mehr allein auf ein Label oder Management verlassen. Jeder muss sich ein eigenes Netzwerk von Akteuren aufbauen und jeder Kontakt bringt einen ein Stück weiter. Sei es nun zu anderen Musikern, mit denen man sich austauschen kann oder vielleicht sogar Gigs tauschen kann, oder mit Bookern, Managern und Label-Leuten.

RITORNELL am Waves Vienna 2017 © Mascha Peleshko

Warum habt ihr euch aus Bratislava zurückgezogen bzw. gibt es Pläne, das Festival wieder in mehreren Städten abzuhalten?

Thomas: Waves Bratislava hat die Firma Pendant in Lizenz veranstaltet. Die Firma ist leider insolvent und wir mussten ihnen in weiterer Folge die Lizenz entziehen. Es gibt zwar Gespräche mit anderen Akteuren in der Slowakei, aber noch nichts Konkretes.

Wie sieht euer Jahr zwischen den Festivals aus? Wann beginnt die heiße Planungsphase?

Thomas: Im Prinzip stecken wir schon wieder mitten in der Planungsphase. Die ersten Acts sind gebucht, der Vorverkauf hat gestartet, Venues reserviert und im Jänner gehen wir mit den Gastländern und dem neuen Artwork raus.

Wie lauten eure Wünsche für die Zukunft des Festivals?

Thomas: Schön wäre es, wenn wir weniger von Sponsoren aus der Privatwirschaft abhängig wären und die Ticketverkäufe noch stärken könnten. Das würde uns mehr Handlungsfreiheit und bessere Planbarkeit des Festivals im Allgemeinen erlauben.

Für die Musikszene in Österreich?

Thomas: Die Aufmerksamkeit, national und international, die sie sich verdient!

Wir bedanken uns bei Thomas Heher für das Interview und sind schon gespannt auf das Waves Vienna 2017. Wenn ihr nun auch Lust auf internationale Acts in den Clubs des neunten Wiener Gemeindebezirks bekommen habt, informiert ihr euch am besten auf der offiziellen Homepage. Für alle, die das ganze etwas grafischer mögen, gibt es auch noch unsere Eindrücke vom letzten Jahr.